Fünf Zutaten reichen.
Das ist mir erst richtig bewusst geworden, als ich seit Jahren in Italien lebe und koche: Viele klassische italienische Rezepte sind gar nicht extra vegan oder glutenfrei gemacht worden – sie waren es von Anfang an, einfach weil man früher mit dem gekocht hat, was da war und was man sich leisten konnte. Genau das liebe ich an Gerichten wie dieser Kartoffel-Farinata. Kein Ei, keine Milch, kein Weizenmehl wurde hier „ersetzt“ – es steckt schlicht nichts davon drin, und trotzdem fehlt beim Essen nichts. Das macht dieses einfaches Rezept zu einem der unkompliziertesten Feierabendessen, die ich kenne: Kartoffeln, Kichererbsenmehl, Wasser, Olivenöl und Rosmarin, mehr nicht (Salz zähle ich als Grundzutat nicht mit).
⏱️ 30–60 Minuten
👥 4 Portionen
📊 Einfach
Vegan · Glutenfrei
Warum dieses einfaches Rezept dein neues Lieblingsrezept wird
Farinata ist eigentlich ein ligurischer Klassiker aus nur Kichererbsenmehl, Wasser, Öl und Salz – ein knuspriger Ofenfladen, der in Genua traditionell als Streetfood gegessen wird. Der Legende nach entstand er 1284, als bei einem Sturm Fässer mit Kichererbsenmehl und Öl auf einem genuesischen Schiff mit Salzwasser durchnässt wurden; aus der Not heraus buk man die Mischung, und ein Klassiker der cucina povera, der Küche der einfachen Leute, war geboren. Diese Version hier bringt zusätzlich dünne Kartoffelscheiben mit ins Spiel, die im Ofen weich werden und der Farinata mehr Substanz geben – aus einer schlanken Vorspeise wird ein vollwertiges Abendessen. Für dieses einfaches Rezept brauchst du kein Spezialmehl aus dem Feinkostladen: Kichererbsenmehl gibt es mittlerweile in fast jedem gut sortierten Supermarkt oder Bioladen im Regal neben den anderen Mehlsorten.
Was mich an diesem Gericht überzeugt: Es ist kein Rezept, das für vegane oder glutenfreie Ernährung „umgebaut“ wurde. Die klassische Farinata kannte weder Ei noch Weizenmehl, lange bevor diese Begriffe überhaupt in einer Küche eine Rolle spielten. Genau deshalb schmeckt sie auch nicht wie ein Kompromiss, sondern wie ein eigenständiges Originalgericht – mit einer knusprigen Kruste außen und einem weichen, fast puddingartigen Kern innen, der von den Kartoffeln noch cremiger wird als bei der klassischen Variante ohne Kartoffeln.
Zutaten für 4 Portionen
500 g Kartoffeln, festkochend (mit Schale gewogen, danach geschält)
150 g Kichererbsenmehl
230 ml kaltes Wasser
30 ml natives Olivenöl extra (plus etwas mehr für die Form)
1 TL Salz (plus eine Prise für die Kartoffeln)
2–3 Zweige frischer Rosmarin
Zutatenzahl: 5 Hauptzutaten plus Wasser und Salz als Grundausstattung – keine versteckten tierischen Produkte, keine Zusatzstoffe. Kichererbsenmehl liefert dabei von Natur aus deutlich mehr Eiweiß als Weizenmehl, was diese Farinata auch ohne Fleisch oder Käse zu einem sättigenden Hauptgericht macht.

Zubereitung: dein einfaches Rezept in 6 Schritten
Schnell kochen: der Zeitplan im Überblick
Damit du wirklich innerhalb von 30 bis 60 Minuten fertig bist, lohnt sich ein Blick auf die Reihenfolge: Teig ansetzen dauert 5 Minuten, die Ruhezeit von 20 bis 30 Minuten läuft parallel zum Kartoffelhobeln und Ofenvorheizen, und erst danach kommt die eigentliche Backzeit von 25 bis 30 Minuten dazu. Nichts davon muss nacheinander passieren – genau das ist der Unterschied zwischen einem Rezept, das auf dem Papier lange dauert, und einem, das sich im echten Feierabend auch wirklich schnell anfühlt.
1. Teig ansetzen (5 Min. aktiv): Das Kichererbsenmehl in eine große Schüssel geben, das kalte Wasser nach und nach mit einem Schneebesen einrühren, bis eine glatte, dünnflüssige Masse ohne Klumpen entsteht. Mit 1 TL Salz würzen.
2. Ruhen lassen (20–30 Min.): Die Schüssel abdecken und mindestens 20 Minuten bei Raumtemperatur ruhen lassen, während du die Kartoffeln vorbereitest. In dieser Zeit nimmt das Kichererbsenmehl die Flüssigkeit vollständig auf, was den späteren Geschmack milder und die Konsistenz beim Backen gleichmäßiger macht. Der Teig darf ruhig etwas länger stehen – je mehr Zeit er hat, desto milder wird später der typisch erdige Kichererbsen-Geschmack. Für eine schnelle Feierabend-Version reichen aber auch 20 Minuten völlig aus, klassische Rezepte mit stundenlanger Ruhezeit zielen vor allem auf ein noch feineres Aroma, nicht auf die Grundfunktion des Rezepts.
3. Kartoffeln hobeln: Die Kartoffeln schälen und mit einem Gemüsehobel in möglichst dünne Scheiben (ca. 2 mm) schneiden – das ist wichtig, denn nur so garen sie in der kurzen Backzeit vollständig durch. Von Hand geschnittene, dickere Scheiben bleiben sonst innen roh, während die Kruste außen längst goldbraun ist. Ein Gemüsehobel schafft hier eine Gleichmäßigkeit, die mit dem Messer kaum zu erreichen ist – jede Scheibe gart dadurch in derselben Zeit durch, statt dass dünne Stellen schon verbrennen, während dickere noch bissfest sind. Die Scheiben mit einer Prise Salz vermengen.
4. Backofen vorheizen und Form vorbereiten: Den Ofen auf 220 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Eine runde Tarteform oder Auflaufform (ca. 26–28 cm) großzügig mit Olivenöl einfetten.
5. Schichten und backen: Vom Kichererbsenteig den Schaum abschöpfen, der sich während der Ruhezeit an der Oberfläche gebildet hat, dann die 30 ml Olivenöl unterrühren. Die Kartoffelscheiben gleichmäßig unterrühren in die Form geben. Gegebenenfalls noch ein paar Rosmarinnadeln darüberstreuen. Im vorgeheizten Ofen 35–40 Minuten backen, bis die Oberfläche goldbraun ist und die Kartoffeln beim Hineinstechen mit einer Gabel weich sind. Die Kruste sollte dabei an den Rändern schon deutlich dunkler und knuspriger sein als in der Mitte – das ist normal und ein gutes Zeichen, kein Hinweis auf ungleichmäßiges Backen.
6. Kurz ruhen lassen und servieren: Die Farinata 5 Minuten in der Form ruhen lassen, dann in Stücke schneiden. Am besten warm servieren, solange die Kruste noch knusprig ist.

💡 Mein Insider-Trick: Schöpfe vor dem Backen unbedingt den Schaum von der Oberfläche des Kichererbsenteigs ab. Er entsteht durch die Ruhezeit, verbrennt im heißen Ofen zuerst und sorgt sonst für bittere, dunkle Flecken auf der sonst goldbraunen Kruste.
Kurzer Hinweis zur Gelingsicherheit: Jeder Backofen heizt etwas anders. Hast du einen Umluftofen, reichen meist 200 °C und etwa 5 Minuten weniger Backzeit. Prüfe die Kartoffeln in jedem Fall mit einer Gabel – erst wenn sie mühelos durchstochen werden können, ist die Farinata fertig, unabhängig von der angegebenen Zeit. Steht dein Ofen eher auf der schwächeren Seite, hilft es, die Form eine Schiene tiefer zu stellen, damit die Unterhitze besser an die Kartoffeln herankommt.
Als Beilage braucht diese Kartoffel-Farinata eigentlich nichts weiter – ein einfacher grüner Salat mit Zitronen-Vinaigrette oder ein paar eingelegte Oliven passen aber gut dazu, wenn du daraus ein etwas größeres Abendessen machen möchtest. Für Gäste kannst du die Farinata auch in kleinere, mundgerechte Stücke schneiden und als warmes Fingerfood zum Aperitivo servieren, ganz wie man es in ligurischen Bars kennt. Wer mag, reicht dazu noch ein kleines Schälchen Olivenöl zum Nachträufeln – ganz ähnlich, wie es traditionell zur klassischen Farinata ohne Kartoffeln serviert wird.
Schnell kochen dank Vorbereitung: der Teig vom Vortag
Wenn du magst, kannst du den Kichererbsenteig auch schon am Vorabend ansetzen und abgedeckt im Kühlschrank über Nacht ruhen lassen. Das ist keine Pflicht, macht den Geschmack aber noch etwas milder, weil die Kichererbsen mehr Zeit zum vollständigen Quellen bekommen. Am eigentlichen Kochabend musst du dann nur noch die Kartoffeln hobeln, schichten und backen – reine Aktivzeit von unter 15 Minuten plus Backzeit.
🔄 3 Variationen
🔄 Mit Zwiebeln: Eine rote Zwiebel in dünne Ringe schneiden und zusammen mit den Kartoffeln in die Form schichten – eine bekannte ligurische Variante (Farinata di patate e cipolle), die noch etwas süßlicher schmeckt, weil die Zwiebeln beim Backen leicht karamellisieren.
🔄 Würziger: Eine Prise Chiliflocken oder frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer unter den Teig rühren, bevor er in die Form kommt – für alle, die es kräftiger mögen. Auch ein Spritzer Zitronensaft im fertigen Gericht bringt zusätzliche Frische.
🔄 Mit was da ist: Statt Rosmarin funktionieren auch Thymian oder Salbei; dünn geschnittene Zucchini oder Süßkartoffeln lassen sich anteilig für die normalen Kartoffeln einsetzen, solange sie genauso dünn gehobelt werden und eine ähnliche Garzeit mitbringen.
Für die Zubereitung empfehle ich
Zwei Küchenhelfer, die mir dieses Rezept spürbar erleichtern – beides keine Pflicht, aber eine ehrliche Erleichterung.
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Oderra Gemüsehobel
Für gleichmäßig dünne Kartoffelscheiben ist ein Gemüsehobel bei diesem Rezept fast unverzichtbar – von Hand mit dem Messer wird es kaum so gleichmäßig, und genau das entscheidet, ob die Kartoffeln in der Backzeit durchgaren. Der Hobel hat mehrere Klingeneinsätze und ist für den Preis erstaunlich stabil verarbeitet. Ehrlich gesagt: Der Fingerschutz ist etwas klein geraten, ich würde bei kurzen Kartoffelresten trotzdem lieber einen Kochhandschuh oder ein Küchentuch als Puffer benutzen statt der Finger direkt.
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Le Creuset Heritage Tarteform, Steinzeug
Eine flache, runde Form aus Steinzeug verteilt die Hitze gleichmäßiger als dünnes Blech und sorgt bei dieser Farinata für eine besonders gleichmäßig gebräunte Kruste, ohne dass der Rand vor der Mitte verbrennt. Sie lässt sich außerdem direkt bei Tisch servieren, was bei einem rustikalen Gericht wie diesem gut passt. Der Nachteil: Steinzeug ist deutlich schwerer als eine einfache Auflaufform aus Aluminium und braucht etwas mehr Vorsicht beim Spülen und beim Transport zwischen Ofen und Tisch – eine normale hitzefeste Auflaufform aus dem Küchenschrank tut es notfalls aber genauso gut, nur eben ohne den edlen Auftritt.
Häufige Fragen
Kann ich das Kichererbsenmehl durch etwas anderes ersetzen?
Nicht wirklich, ohne dass sich das Rezept grundlegend ändert. Kichererbsenmehl bindet beim Backen anders als Getreidemehle – es braucht kein Gluten und keine Eier, um zusammenzuhalten, weil sein hoher Eiweißanteil von rund 20 Prozent das übernimmt. Andere glutenfreie Mehle wie Reis- oder Maismehl haben diese Bindekraft nicht und ergeben keine feste Kruste, sondern eher eine krümelige Masse. Wenn du Kichererbsenmehl gar nicht bekommst, findest du es auch unter dem Namen „Besan“ in Asia- oder Indien-Läden – chemisch ist es dasselbe Produkt, oft sogar günstiger.
Wie lange hält sich die Farinata und kann ich sie aufwärmen?
Im Kühlschrank, luftdicht verpackt, hält sie sich etwa 2 Tage. Zum Aufwärmen eignet sich der Ofen oder eine trockene Pfanne deutlich besser als die Mikrowelle: Bei etwa 180 °C für 8–10 Minuten wird die Kruste wieder knusprig, statt in der Mikrowelle gummiartig zu werden. Einfrieren würde ich nicht empfehlen, da die Kartoffeln beim Auftauen wässrig werden und ihre Textur verlieren – anders als bei reinem Kichererbsenteig ohne Kartoffeln, der sich etwas besser einfrieren lässt.
Schnell kochen an einem stressigen Abend – geht das mit diesem Rezept?
Ja, wenn du die 20-minütige Ruhezeit des Teigs parallel zum Kartoffelhobeln und Ofenvorheizen nutzt, bist du in etwa 40 Minuten aktiver Zeit fertig statt in der vollen Stunde. Die reine Backzeit von 25–30 Minuten kannst du zudem nutzen, um nebenbei einen Salat zu machen oder einfach kurz durchzuatmen – bei diesem einfaches Rezept musst du in der Zeit nicht am Herd stehen bleiben.
Schnell kochen ohne Gemüsehobel – geht das auch mit dem Messer?
Grundsätzlich ja, aber es braucht etwas mehr Geduld und ein sehr scharfes Messer, um die Kartoffeln wirklich gleichmäßig dünn (rund 2 mm) zu schneiden. Fallen die Scheiben zu dick aus, bleiben sie in der Backzeit innen roh – dann hilft nur, die Backzeit zu verlängern und die Farinata mit Alufolie abzudecken, damit die Oberfläche nicht verbrennt, während die Kartoffeln durchgaren. Eine Alternative zum Gemüsehobel ist die grobe Reibe-Seite einer Küchenreibe für dünne Scheiben, allerdings wird das Ergebnis dabei unregelmäßiger als mit einem echten Hobel mit Führung.
Naima Fee — Foodbloggerin für vegane Küche
Ich liebe es, wie viele klassische italienische Rezepte schon von Natur aus vegan und glutenfrei sind – man muss nichts kompliziert ersetzen, nur die Zutaten kennen. Diese Kartoffel-Farinata ist genau so ein einfaches Rezept: fünf Zutaten, ein perfektes schnelles Abendessen.








