Ich liebe einfach alles mit Kastanien. Und Tiramisu sowieso. Also habe ich beides zusammengebracht: ein Kastanien-Tiramisu, ganz ohne Mascarpone, ohne Eier, ohne Löffelbiskuits und ohne Kaffee.
Statt Löffelbiskuits nehme ich knusprige Kastaniencracker. Die Creme mache ich aus Cashews, gegarten Kastanien und Datteln. Getränkt wird alles mit Zichorienkaffee, der schmeckt fast wie Kaffee, hat aber kein Koffein. Und obendrauf kommt Karob statt Kakao.
Das Ergebnis ist ein cremiges, herbstliches Tiramisu, das nach Kastanie und ein bisschen nach Karamell schmeckt. Und weil kein Koffein drin ist, darf auch mein Kind mitessen.

Unten findest du das Rezept für eine Form von etwa 20 × 15 cm (4 bis 6 Stücke), vegan, glutenfrei und ohne Industriezucker.
Was dieses Tiramisu so besonders macht
- Keine Mascarpone: Die Creme besteht aus eingeweichten Cashews, Kastanien und Datteln. Sie wird genauso cremig, aber ganz pflanzlich.
- Keine Löffelbiskuits: Kastaniencracker sind glutenfrei und saugen den Zichorienkaffee wunderbar auf.
- Kein Kaffee: Zichorien- oder Lupinenkaffee schmeckt herb und röstig wie Kaffee, aber ohne Koffein.
- Kein Zucker: Die Süße kommt nur von den Medjool-Datteln und den Kastanien.
- Kein Backen: Mixen, schichten, kühlen. Fertig.
Tiramisu: eine kurze Geschichte
Tiramisu ist eines der jüngsten Desserts der italienischen Küche. Die bekannteste Version stammt aus Treviso in Venetien, aus dem Restaurant Le Beccherie, wo es in den 1960er- und 1970er-Jahren serviert wurde. Auch das Friaul beansprucht die Erfindung für sich, und die beiden Regionen sind sich bis heute nicht ganz einig.
Der Name kommt aus dem Venezianischen: tirami sù heißt so viel wie „zieh mich hoch“ oder „mach mich munter“. Gemeint ist die belebende Wirkung von Kaffee und Kakao. Seit einigen Jahren gibt es sogar einen eigenen Welttag des Tiramisu, den 21. März.
In Italien gibt es inzwischen unzählige Varianten: mit Erdbeeren, mit Pistazien, mit Zitrone. Meine Herbstversion mit Kastanien passt perfekt in die Zeit, in der hier bei uns in Kampanien überall Kastanien geröstet werden.
Ganz wichtig: Cashews immer einweichen
Die Cashews weiche ich vor dem Mixen immer ein. Das ist für dieses Tiramisu der wichtigste Schritt. Eingeweichte Cashews werden weich, saugen sich voll und lassen sich zu einer seidig glatten Creme mixen, ganz ohne Stückchen. Ungeweichte Cashews bleiben oft leicht körnig, selbst im starken Mixer.
Und was ist mit Phytinsäure?
Nüsse, Samen, Getreide und Hülsenfrüchte enthalten Phytinsäure. Sie kann Mineralstoffe wie Eisen, Zink und Magnesium binden, sodass der Körper sie schlechter aufnimmt. Deshalb wird oft empfohlen, Nüsse einzuweichen, um diese sogenannten Antinährstoffe zu verringern.
Ganz ehrlich: Bei Nüssen ist die Studienlage dazu dünn. Eine Untersuchung aus Neuseeland von 2020 hat gezeigt, dass sich beim Einweichen von Nüssen nur sehr wenig Phytinsäure löst. Bei Hülsenfrüchten und Getreide ist der Effekt dagegen gut belegt. Phytinsäure ist außerdem nicht nur schlecht, sie wirkt im Körper auch als Antioxidans. Viele Menschen empfinden eingeweichte Nüsse aber als bekömmlicher, und für die Konsistenz der Creme macht es einen riesigen Unterschied. Für mich ist Einweichen deshalb ein Muss.
So weichst du Cashews richtig ein
- Klassisch: Die Cashews mit kaltem Wasser bedecken und 4 bis 6 Stunden oder über Nacht im Kühlschrank einweichen.
- Schnell: Mit kochendem Wasser übergießen und 15 bis 30 Minuten stehen lassen.
- Danach: Das Einweichwasser immer wegschütten und die Cashews gut abspülen.
Übrigens: Auch Cashews, die als „roh“ verkauft werden, sind nie ganz roh. Ihre Schale enthält einen ätzenden Saft, deshalb werden sie vor dem Knacken immer mit Hitze behandelt.
Die Zutaten im Detail
Kastanien
Für die Creme nehme ich gegarte, geschälte Kastanien aus der Vakuumpackung. Sie sind weich, leicht süß und bringen den typischen nussigen Herbstgeschmack in die Creme. Kastanien sind von Natur aus glutenfrei und enthalten im Vergleich zu anderen Nüssen sehr wenig Fett. Wenn du Kastanien genauso liebst wie ich, probier unbedingt auch meinen Castagnaccio, den italienischen Kastanienkuchen.
Medjool-Datteln
Sie sind groß, weich und karamellig und süßen die Creme ganz ohne Zucker. Achte darauf, dass sie wirklich weich sind. Sind sie etwas trocken, weichst du sie einfach 10 Minuten mit den Cashews zusammen in heißem Wasser ein.
Kastaniencracker
Statt Löffelbiskuits verwende ich knusprige Kastaniencracker von Le Pain des Fleurs. Sie sind glutenfrei und dünn. Ganz wichtig: Weich die Cracker richtig gut im Zichorienkaffee ein. Wenn sie innen trocken bleiben, werden sie zäh und man kaut lange darauf herum. Gut getränkt werden sie im Kühlschrank schön weich wie Biskuit.


Zichorienkaffee statt Espresso
Zichorienkaffee wird aus der gerösteten Wurzel der Wegwarte hergestellt, einer Pflanze, die auch bei uns am Wegrand wächst. Er schmeckt herb und röstig, ganz ähnlich wie Kaffee, enthält aber kein Koffein. Die Zichorienwurzel ist außerdem reich an Inulin, einem Ballaststoff. Genauso gut funktioniert Lupinenkaffee aus gerösteten Lupinensamen. Wichtig: Der Kaffee muss komplett abgekühlt sein, bevor du die Cracker eintauchst.
Karob statt Kakao
Karob wird aus den Schoten des Johannisbrotbaums gemahlen, der im ganzen Mittelmeerraum wächst, auch in Süditalien. Auf Italienisch heißt er carrubo. Karob schmeckt mild, leicht süßlich und erinnert an Kakao, ist aber von Natur aus koffeinfrei und weniger bitter. Wenn du lieber Kakao magst, nimmst du einfach ungesüßtes Kakaopulver.
Rezept: Kastanien-Tiramisu, vegan und glutenfrei

Kastanien-Tiramisu (vegan & glutenfrei)
Zutaten
Zubereitung
- Cashews einweichen: Die Cashews mit kaltem Wasser bedecken und 4 bis 6 Stunden oder über Nacht einweichen. Wenn es schnell gehen muss, mit kochendem Wasser übergießen und 15 bis 30 Minuten stehen lassen. Danach abgießen und gut abspülen.
- Kaffee kochen: Den Zichorien- oder Lupinenkaffee zubereiten und komplett abkühlen lassen.
- Creme mixen: Cashews, Kastanien, Datteln, Pflanzenmilch, Zitronensaft, Vanille und Salz in einen leistungsstarken Mixer geben. 1 bis 2 Minuten mixen, bis die Creme ganz glatt ist. Ist sie zu fest, gib einen kleinen Schluck Pflanzenmilch dazu.
- Erste Schicht: Die Kastaniencracker nacheinander gut in den kalten Kaffee tauchen, bis sie sich richtig vollgesogen haben und weich werden. Dann dicht nebeneinander in die Form legen. Die Hälfte der Creme darauf verteilen und glatt streichen.
- Zweite Schicht: Noch einmal eine Lage gut getränkte Cracker darauflegen und mit der restlichen Creme abschließen.
- Kühlen: Das Tiramisu abgedeckt mindestens 4 Stunden, am besten über Nacht, in den Kühlschrank stellen. In dieser Zeit werden die Cracker weich und die Creme fest.
- Bestäuben: Kurz vor dem Servieren das Karobpulver durch ein feines Sieb darüberstreuen.
Tipps

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- Bio-Cashewkerne, ungesalzen*: Die Basis für die Creme. Immer vorher einweichen.
- Bio Medjool-Datteln*: Groß, weich und karamellig. Damit wird die Creme ganz ohne Zucker süß.
- Kastanien-Knusperbrot*: Die glutenfreien Kastaniencracker, die ich statt Löffelbiskuits nehme.
- Bio-Zichorienkaffee*: Koffeinfrei und herb wie Kaffee. Zum Tränken der Cracker.
- Bio-Lupinenkaffee*: Die zweite koffeinfreie Alternative, schmeckt schön röstig.
- Bio-Karobpulver*: Zum Bestäuben statt Kakao. Mild, leicht süß und ohne Koffein.
- Nutribullet Pro 1200*: Mein Mixer, den ich selbst jeden Tag benutze. Damit wird die Cashewcreme richtig glatt und cremig.



💡 Mein Tipp: Tauch die Cracker wirklich gut ein, bis sie richtig weich sind. Wenn sie zu trocken bleiben, werden sie zäh und sind beim Kauen unangenehm. Lieber etwas länger im Kaffee lassen.
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So bewahrst du das Tiramisu auf
Abgedeckt hält sich das Kastanien-Tiramisu im Kühlschrank 2 bis 3 Tage. Am zweiten Tag schmeckt es fast noch besser, weil alles schön durchgezogen ist. Das Karob streue ich immer erst kurz vor dem Servieren drauf, sonst wird es feucht.
Du kannst das Tiramisu auch einfrieren. Am besten schneidest du es vorher in Stücke. Zum Auftauen legst du es über Nacht in den Kühlschrank.
Varianten
- Mit Kakao: Statt Karob einfach ungesüßtes Kakaopulver nehmen.
- Mit Espresso: Für Erwachsene kannst du die Cracker auch in Espresso tauchen.
- Im Glas: Cracker zerbröseln und mit der Creme in kleine Gläser schichten. Perfekt zum Mitnehmen.
- Mit Nüssen: Ein paar gehackte Haselnüsse obendrauf geben dem Tiramisu noch mehr Biss.
Häufige Fragen
Muss ich die Cashews wirklich einweichen?
Ja, bitte. Eingeweichte Cashews werden viel weicher und ergeben eine glatte, seidige Creme. Ohne Einweichen bleibt die Creme oft körnig. Viele empfinden eingeweichte Nüsse außerdem als bekömmlicher.
Werden beim Einweichen Antinährstoffe abgebaut?
Bei Hülsenfrüchten und Getreide nachweislich ja. Bei Nüssen zeigen Studien nur eine sehr kleine Abnahme der Phytinsäure. Der größte Vorteil bei diesem Rezept ist deshalb die cremige Konsistenz.
Ist das Tiramisu für Kinder geeignet?
Ja. Zichorien- und Lupinenkaffee sind koffeinfrei, und Karob enthält im Gegensatz zu Kakao kein Koffein. Gesüßt wird nur mit Datteln. Mein Kind isst es sehr gerne mit.
Wo bekomme ich Kastaniencracker?
Ich nehme die Kastaniencracker von Le Pain des Fleurs. Du findest sie im Bioladen, im Reformhaus oder online. Andere glutenfreie, dünne Cracker oder Kekse funktionieren auch.
Kann ich die Kastanien selbst kochen?
Natürlich. Frische Maronen kreuzweise einritzen, etwa 30 Minuten in Wasser kochen und noch warm schälen. Vakuumierte Kastanien sparen aber viel Zeit.
Kann ich die Cashews ersetzen?
Bei einer Nussallergie kannst du es mit eingeweichten Sonnenblumenkernen versuchen. Die Creme schmeckt dann etwas kräftiger und wird nicht ganz so hell.
Fazit
Dieses Kastanien-Tiramisu ist für mich der perfekte Herbstnachtisch. Es ist cremig, nussig, schön süß und trotzdem ohne Zucker, ohne Gluten und ohne Koffein. Probier es aus und schreib mir gern in die Kommentare, wie es dir geschmeckt hat. Und wenn du es nachmachst, markier mich auf Instagram, ich freue mich riesig darüber.
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Naima Fee
Ich lebe seit über zehn Jahren in Süditalien und entwickle auf cucinanaima.com einfache Rezepte, die vegan, glutenfrei und ohne Industriezucker sind. Am meisten freue ich mich, wenn meine Rezepte der ganzen Familie schmecken, auch denen, die sonst gar nicht vegan essen.







